Olympischer Meilenstein: Check!

Den heutigen Triathlon Tag am Schluchsee beende ich mit gemischten Gefühlen. Einerseits freue ich mich, dass ich endlich meine erste olympische Distanz (1500 Swim, 36 Bike, 10 Run) gemeistert habe und wir mit unserem Mädels-Team den 8. Platz von 17 in der Gesamtligawertung geschafft haben. Andererseits bin ich heute mit angezogener Handbremse durch diesen Triathlon marschiert. Aber von vorne.

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Das NPU Liga Dream Team (Quelle: Alexander Fink)

Schwimmstart im See: Drama!

Nach dem gemütlichen Team-Schwimmen im Stausee von Erbach vor zwei Wochen, der verglichen mit dem Schluchsee ein netter Tümpel war, stand heute für mich zum ersten Mal ein richtiger Seestart auf dem Programm. Sprich alle Liga-Starterin stehen gemeinsam am Schwimmstart, der Startschuss ertönt und alle schwimmen gemeinsam los. Oder sollte ich eher schreiben „prügeln gemeinsam los“? Das war zumindest meine subjektive Wahrnehmung.

Letztendlich habe ich den Fehler gemacht, mich bei meinem ersten Massenschwimmstart direkt in die Mitte und nach vorne zu stellen. Das war durchaus naiv, aber ich wusste ja noch nicht was mich erwartet. Ein erstes ungutes Gefühl verspürte ich bereits als der Countdown zum Start runtergezählt wurde. In den letzten Sekunden wünschte ich mir einfach nur wegzulaufen und nicht in 10 Sekunden losschwimmen zu müssen. Tatsächlich ging mir kurz durch den Kopf, dass ich doch eigentlich alle Freiheit der Welt habe und das machen könnte. In dem Moment schaute ich kurz nach hinten zu meiner Teamkollegin Daniela und rief ihr noch schnell ein „Hilfe“ zu. Dann ging es schon los und ich befand mich mitten in einem Pulg kraulender Triathletinnen. Und was soll ich sagen? Die Panik vom Countdown löste sich nicht in Wohlgefallen auf! Ganz im Gegenteil: von rechts und links spürte ich Arme auf mir, von hinten und vorne genauso. Ich wurde aus Unsicherheit immer langsamer, was natürlich dazu führte, dass die nächsten Mädels von hinten über mich drüber schwammen. Das hört sich dramatisch an und wahrscheinlich war es das gar nicht. Aber so habe ich es erlebt. Als ich dann durch das Getümmel auch noch untergetaucht wurde und Wasser schluckte, war mir alles egal. Ich streckte den Kopf aus dem Wasser, machte einen Zug Brustschwimmen und wollte einfach nur umkehren. Zurück ans Land. Raus aus dem Pulg. Aber das habe ich natürlich nicht gemacht. Jedes Drama geht schließlich irgendwann vorbei. Und so auch dieses.

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Irgendwann habe ich tatsächlich eine Gruppe gefunden, die ungefähr mein Tempo schwamm. Mir war zu dem Zeitpunkt dann auch die Zeit und Geschwindigkeit völlig egal. Ich war einfach froh, wieder normal schwimmen zu können und nicht mehr dieses Panik-Gefühl zu haben. Die Füße vor mir und die Schwimmerin neben mir zu sehen, empfand ich als sehr beruhigend. Von der Belastung her war ich sicherlich noch entfernt von meiner Grenze, aber da vor allem in der Seemitte ein starker Wellengang herrschte und ich mich noch ein paar Mal verschluckte, ging es für mich einfach nur darum einen Rythmus zu finden und das Ding durchzuziehen. Nach 28:58 hatte ich dann wieder Boden unter den Füßen. Olé.

Verkehrte Welt

Vielleicht habt ihr in frühren Posts gelesen, dass mir das Radfahren so viel Spaß macht und mir so viel leichter fällt als das Laufen. Heute war es genau andersrum: die erste Hälfte der Fahrradstrecke war eine echte Qual und es wollte sich einfach kein „Rad-Flow“ einstellen. Ich hatte eigentlich am Anfang eine relativ gute Gruppe erwischt und hätte von der Windschattenfreigabe profitieren können. Doch leider merkte ich, dass es mir einen enormen Druck machte mit dieser Gruppe mitzufahren. Meine Beine wollten heute einfach nicht so drücken wie sonst. Ich verlor die Gruppe dann recht schnell und war letztendlich aber gar nicht so unglücklich darüber. Jetzt konnte ich mein Tempo fahren und es machte mir so um einiges mehr Spaß. Und darum geht es doch trotz Wettkampf und Liga auch. Auf der zweiten Runde gabelte ich dann sogar wieder eine Mitstreiterin auf mit der ich dann gemeinsam bis in die Wechselzone einfuhr, die ich nach 1:11 auf dem Rad erreichte.

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Zum Schluß läuft’s

Nach den letzten Lauferfahrungen hatte ich mir vorgenommen, dieses Mal nicht so schnell anzulaufen und nach und nach zu beschleunigen. Die Laufstrecke war sicherlich die anspruchsvollste der Liga-Wettkämpfe mit einer knackigen Steigung, die wir vier Mal erklimmen mussten. Die ersten zwei Runden bin ich relativ ruhig gelaufen, meine Mitstreiterin vom Radfahren hat mich direkt überholt. Doch ab der dritten Runde lief es bei mir auf einmal rund und ich setzte nochmal an. So konnte ich ohne Probleme meine Radmitstreiterin wieder überholen und auch an ein paar Männern vorbeiziehen (das freut mich natürlich immer besonders 🙂 ). Die 46:10 am Ende sind sicherlich keine Paradezeit, aber mir hat das Laufen heute zum ersten Mal bei einem Ligawettkampf richtig Spaß gemacht und ich hatte das Gefühl ich könnte dieses Tempo ewig weiterlaufen.

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Fazit

Heute habe ich mal gespürt, was diese schlauen Sprüche rund um die Tagesform bedeuten. Denn es stimmt: irgendwas war heute anders. Ich konnte einfach nicht an meine Belastungsgrenze gehen und hatte daher wohl auch den Eindruck, dass ich noch 10 Kilometer obendrauf laufen könnte. Einen Unterschied zwischen Sprint und Olympischer Distanz habe ich nicht wirklich bemerkt. Die Olympische Distanz zog genauso schnell an mir vorüber wie jeder Sprint.

Und schließlich: wenn ich beim Laufen ab 5 Kilometern erst richtig aufdrehe, ist da doch Potential für die Mitteldistanz, oder? Also: think positiv!

 

 

 

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Eigentlich hört sich das nicht so schlecht an, oder? Wenn du nach den 5km Laufen erst richtig aufdrehst, dann hört sich das positiv in Hinsicht auf längere Distanzen an.

    Manchmal ist der Körper und/oder Kopf einfach nicht das, was man sich vorstellt. Da kämpft man sich dann von Anfang bis Ende durch. Super gemacht und beim Laufen lief es dann ja auch prima. Glückwunsch.

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke 🙂 Ja, ich glaube auch, dass das normal ist. Es kann nicht immer gut laufen. Und heute bin ich schon wieder voll motiviert. Habe endlich die Anmeldung für die Mitteldistanz erledigt. Jetzt wird es also ernst…

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  2. UK sagt:

    Well done! Nächste Woche ist die Schwester meiner Frau in Roth am Start, da fahren wir alle zum Jubeln und so hin.

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    1. Cool! Da bin ich auch. Samstag zum Trainieren auf der Radstrecke, Sonntag zum zuschauen…

      Gefällt 1 Person

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