Vorwettkampfstimmung

„Genieß die Vorwettkampfstimmung“ hat mir unser Vereinstrainer gestern geschrieben. Das fand ich im ersten Moment etwas paradox. Ich bin doch eigentlich total angespannt und stelle mir so viele Fragen vor meiner ersten Mitteldistanz am Sonntag in Malterdingen. „Wie wird  mein Knie reagieren, das seit zwei Wochen ab 30 Kilometer zu schmerzen anfängt?“, „Wie fit bin ich? Bin ich 100% gesund?“, „Passt alles an meinem Rad?“, „Krieg ich im Notfall den Schlauch gewechselt?“ und „Schaffe ich das überhaupt?“.

Malterdingen.jpg
Arrived!

Seit zwei Wochen durchlaufe ich ein Wechselbad der Gefühle. In der Woche nach dem Heidelbergman überkam mich plötzlich eine Tiefenentspannung, die ich meiner Meinung nach erst nach der Saison empfinden sollte. Ich habe in den letzten Monaten sehr viel trainiert und viele Wettkämpfe absolviert. Daher das Gefühl, dass mein Körper sich so langsam nach Ruhe sehnt. Leider etwas zu früh, da ja jetzt der längste Wettkampf ansteht.

Nochmal unvernünftig ballern

Dann hat sich am letzten Sonntag spontan ein Triathlet aus Frankfurt für einen kurzen Chill Out Lauf angekündigt. Wir kannten uns bislang nur von Strava, daher konnte ich schwer einschätzen, was ein Chill Out Lauf für ihn bedeutet. Als wir losliefen, merkte ich schnell, dass wir unterschiedliche Auffassungen über einen Chill Out Lauf hatten. Von der ersten Minuten an lief er mein 10 Kilometer Wettkampf-Tempo. Nach der ersten Schreckensminute über das Tempo, sind wir aber in einen so coolen Lauf-Flow gekommen, dass ich für meine Verhältnisse 15 Kilometer „durchgeballtert“ habe (für ihn natürlich Chillout 🙂 ). Es hat letztendlich riesig Spaß gemacht und mir nochmal einen Motivationsschub für Malterdingen gegeben. Ob es verfünftig war, ist die andere Frage. Aber welche Triathletin ist schon immer vernünftig?!

Entspannt in der Anspannung

Am Tag nach dem Lauf-High überkam mich dann natürlich wieder die vorher angesprochene Müdigkeit und auch die oben erwähnten Fragen beschäftigten mich wieder.

Dennoch: der Ratschlag vom Trainer, die Wettkampfstimmung zu genießen, hat mir eine neue Perspektive eröffnet. Seit gestern bin ich mit einigen Vereinskollegen in Malterdingen, um schon mal in Ruhe anzukommen und die Radstrecke abzufahren. Das bewusste Ausruhen im Vorfeld, dehnen, Knie behandeln ist mal eine ganz andere Art der Triathlon-Vorbereitung und hat tatsächlich trotz der Anspannung auch etwas entspannendes. Jetzt wo mein Körper sich mal nicht permanent zwischen zwei Trainingseinheiten befindet, merke ich wie mich das Training der letzten Monate gestärkt hat. Und egal wie es am Sonntag ausgeht, dieses Gefühl der mentalen und körperlichen Stärke bleibt. Und das ist es wiederum, was für mich Triathlon-Lifestyle ausmacht.

Kneippen
Danke an den Malterdinger Fotograf!

Gestern habe ich dann noch ein Kneippbecken entdeckt und habe dort mit ein paar Locals den Abend verbracht. Wir haben über Triathlon diskutiert und ich habe gemerkt, dass die Triathleten, die ein Mal im Jahr ihr Dorf überfallen schon eine seltsame Spezies für sie sind. Sie haben natürlich ein paar Witze gerissen, die die üblichen Themen umrissen – Zeitaufwand, Leiden, Materialfetischisten etc. Und ich merkte wiederum, dass mich genau all das begeistert. Und trotz der Skepsis konnte ich meine Begeisterung vielleicht ein bisschen auf sie übertragen. Auf jeden Fall habe ich nun schon ein paar lokale Groupies, die mich am Sonntag auf der Strecke anfeuern werden 🙂

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Bernd sagt:

    so ischs…viel erfolg und spass oder andersrum

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    1. Der „Frankfurter Triathlet“ hat sich geoutet 🙂

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  2. Katharina sagt:

    Viel Erfolg und ich drücke dir die Daumen, dass das Knie maximal ein bisschen ziept! 🙂

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    1. Danke! Freu mich schon so drauf! Das Knie muss einfach halten 😉

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