Geschafft! Gerockt! Happy!

Genau so habe ich mich nach meiner ersten Mitteldistanz beim Breisgau Triathlon (2km Swim – 80 km Bike – 21 km Run) gefühlt. Nach 5:19:39 bin ich durchs Ziel gelaufen und ich gebe zu, ich habe ganz heimlich eine kleine Erschöpfungs- und Freudenträne verdrückt. Denn Triathlon ist einfach so viel mehr als einfach nur die drei Sportarten Schwimmen, Radfahren und Laufen nacheinander zu absolvieren.

Podest_2
Jubel über den 10. Platz bei den Frauen und 2. Platz in der AK30

Erstens kommt es anders…

Ich dachte, ich hätte im Vorfeld alles perfekt durchgespielt: Kohlenyhdrate-Zufuhr durchgerechnet, Schlauchwechsel trainiert und im Vorfeld abgecheckt, wo die Dixi-Toiletten stehen (und mir dafür übrigens eine Menge Spott von den Vereinskollegen eingeholt).

Letztendlich hatte ich weder einen Platten (puh!)  noch musste ich unterwegs eine der Toiletten aufsuchen. Was aber völlig unerwartet kam, war ein heftiger Schauer auf der Radstrecke. Während der gesamten Saison bin ich noch nie in einen solchen Regen geraten. Dieser Schauer erwischte mich mitten in der steilsten und kurvigsten Abfahrt und ich erlebte ein absolutes Novum: meine Bremsen funktionierten nicht mehr. Fading nennt man das wohl, wie ich später erfuhr. Am liebsten wäre ich einfach abgestiegen, aber da ich eh nicht bremsen konnte, war auch das  keine Option. Also habe ich die Bremsen komplett durchgedrückt, irgendwann ging es ein bisschen langsamer und ich bin im Schneckentempo voll Adrenalin den Berg runtergefahren. In dem Moment waren alle Zeiten egal, es ging nur darum, irgendwie heil diesen Berg runterzukommen.

Apropos Adrenalin: nach dem geglückten Schwimmstart im Neckar vor drei Wochen beim Heidelbergman dachte ich, dass ich nun dieses Rookie-Thema überstanden hätte und eine souveräne Open-Water-Starterin sei. Leider lief es ähnlich wie am Schluchsee: ich schwimme schnell los, dann schalte ich auf einmal den Kopf ein und schaue um mich. Genau in dem Moment schwimmen die anderen über mich drüber. Darauf folgt das Übliche: Wasser schlucken,  noch mehr Panik, zur Seite wegschwimmen und versuchen irgendwie einen Rythmus zu finden. Dass es am Ende mit 36:24 doch noch für die 6. Schwimmzeit der Frauen gereicht hat und somit von allen drei Disziplinen die beste Platzierung war, fand ich umso überraschender.

                       Ruhe vor dem Sturm und letzte Lagebesprechung

Der Kopf macht den Unterschied

Diese Einsicht ist natürlich alles andere als neu. Aber gestern wurde mir dies in den folgenden drei Situation wieder bewusst:

Am Vorabend, als wir im Regen bei der Pastaparty saßen und ich einfach nur müde war, wollte ich am liebsten wieder abreisen. Es kam mal wieder die Frage in mir auf „Warum mache ich das eigentlich?“. Könnte ich doch auch irgendwo einen relaxten Abend verbringen, ein Bier trinken, ohne dieses flaue Gefühl im Magen vor dem, was mich am nächsten Tag erwartet. Da ich in der darauffolgenden Nacht glücklicherweise ganz gut geschlafen habe (nur eine Baldrintablette 🙂 ) stand ich am Wettkamfpmorgen auf und fühlte mich rundum gut. Die Zweifel waren wie weggeblasen, ich war einfach gespannt auf den Tag. Im Nachhinein glaube ich, dass diese Einstellung die perfekte Voraussetzung für die gute Finish-Zeit war.

Nach dem verpatzten Schwimmstart wieder in den Schwimmrythmus zu kommen, war ebenfalls eine reine Kopfsache. Den Körper Zug um Zug dazu zu bringen, das Adrenalin rauszuschwimmen – eine mentale Herausforderung.

Auf dem Rad habe ich mich von Anfang an super gefühlt. Drei Mal sind wir den Rundkurs mit zwei Steigungen abgefahren. Insgesamt hatte die Radstrecke knapp 1.000 Höhenmeter. Die ersten zwei Runden fuhr ich souverän ab. Erst bei der vorletzten Steigung in der dritten Runde merkte ich, dass ich doch ziemlich Gas gegeben hatte in den letzten Stunden. Es waren aber weniger meine Beine, die sich beschwerten, als mein Kopf. Vielleicht kann man das Gefühl als leichtes Delirium beschreiben: ich hatte den Eindruck, dass ich jetzt eventuell gleich einfach vom Rad fallen könnte. Meine Taktik (und Vorsicht jetzt wird es richtig esoterisch): ich habe einfach versucht, eine Metaperspektive auf diese Situation einzunehmen. Aus  mir rausgehen und schon mal überlegen, was ich nach dem Wettkampf auf diesem Blog hier darüber schreiben werde. Warum auch immer – es hat mir geholfen. Ich habe den Berg doch noch gut gemeistert und alle drei Radrunden habe ich in einem ähnlichen Tempo absolviert, so dass am Ende eine Radzeit von 2:49:29 stand.

rad.JPG
Darum geht es vor allem beim Triathlon: Gas geben und Spaß haben!

Die Ernährung

Dieses Thema habe ich die letzten Wochen immer wieder mit unserem Trainer durchdiskutiert. Ganz wichtig: permanent Kohlenhydrate zuführen. Ob in Form von Riegeln oder Gels. Ob ich den Riegel vertrage, konnte ich trotz Testen im Training bis zum Schluß nicht so richtig einschätzen, bin dann aber das Risiko eingegangen. Während des Wettkampfs dachte ich immer wieder an den Ratschlag vom Trainer: „Gar nicht erst ein Hungergefühl aufkommen lassen“. Also war die Radfahrt trotz Speed ein bisschen wie eine Picknicktour. Ich fing an mit einem Gel, verspeiste fast alle 15 Minuten einen kleinen Happen des Riegels, den ich in den Backen hamsterte bis er sich auflöste (lecker!), und gegen Ende der Radrunde sowie nach 10 Kilometer Laufen gab es nochmal ein Gel.

 

Menü
Mein 5-Gänge-Rad-Riegel-Menü

Letztendlich war für mich diese Kohlenydratzufuhr von der Menge her optimal. Ich hatte immer ausreichend Kraft und sie lagen mir nicht im Magen. Abgesehen von den letzten 5 Lauf-Kilometern, auf denen die Magenprobleme anfingen und ich fast genauso sehr von einer Toilette wie von der Finishline träumte. Doch auch diese letzten 5 Kilometer – während derer ich noch gar nicht glauben konnte, dass ich es tatsächlich schaffen werde – überstand ich irgendwie und bin mit der Halbmarathon-Zeit von 1:50:12 rundum zufrieden.

finisher.jpg
Happy Finisher

Die Supporter

Vor dem Wettkampf habe ich so viele gut gemeinte Tipps bekommen – tausend Dank an alle, die mitgefiert haben. Angefangen von der Behandlung des Knies, über den Ingwertee, neue Blackrollübungen, Satteleinstellungen, Entspannungs- und Ernährungstipps. Ich gebe zu, ich habe es gar nicht geschafft, alles umzusetzen. Aber, dass so viele mitgefiebert haben, war ein tolles Gefühl. Dann natürlich die Unterstützung auf der Strecke durch Siggi, Anja und Sabrina! Vielen Dank! Und nicht zu vergessen, die vielen Helfer, die einen perfekt organisierten Triathlon Event in einer super schönen Umgebung ermöglicht haben.

 

 

Advertisements

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Katharina sagt:

    Das ist ja der reine Wahnsinn – Gratulation! Ich bin echt beeindruckt, wie du von Einsteiger zu Mitteldistanz in so kurzer Zeit und dann auch noch mit diesen Ergebnissen gekommen bist 🙂 Ich wünsch dir gute Erholung!

    Gefällt 1 Person

    1. Danke! Ja, jetzt heisst es tatsächlich seit Sonntag endlich mal Erholung und trainingsfrei. Wobei es fast ein bisschen seltsam ist so ganz ohne Trainingsplan zu leben 🙂

      Gefällt mir

  2. Wow, das ist ja ein umwerfendes Finish! Herzlichen Glückwunsch. Das hast du echt spitze gemacht. Ein schöner, informativer Beitrag! Hoffe, du konntest dich schon etwas erholen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s