Mit dem Mountainbike über die Alpen

Auf der Rückfahrt vom Gardasee nach Esslingen hat Vereinskollege Max soeben treffend analysiert: „Ein Transalp ist der perfekte Triathlon-Saisonabschluß – wir sind noch voll im Saft und brauchen nicht mehr spezifisch zu trainieren“. Ganz genau! So sehe ich das auch. Eine Woche waren wir unterwegs und haben dabei 369 Kilometer und 10.027 Höhenmeter zurückgelegt. Eine tolle Erfahrung, die ich hier mit euch teilen möchte. Und für diejenigen, die das gerne auch mal machen möchten, gibt es ein paar Tipps und Tricks rund um die Strecke, Material, Unterkünfte und Tracks.

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Die Crew: Conny, Daniela, Alex, Max & Patrick auf dem Pfitscher Joch

Die Strecke und das Kartenmaterial

Als Transalp Rookies mit Mountainbike-Erfahrung aus dem letzten Winter und gutem Training aus dem Sommer haben wir nach einer Route gesucht, die uns zwar über Schotterwege und Trails über die Alpen führt, gleichzeitig aber auch nicht zu hohe Anforderungen an die Technik stellt.

Wir – das sind drei aktive Triathleten (Max, Daniela und ich), Danielas Mann Patrick und Conny, die sich selbst als passive Triathletin bezeichnet. Nach längerer Recherche haben wir uns für die Route Zillertal-Gardasee entschieden, die vom ULP Verlag in dem entsprechenden Buch gut beschrieben ist. Darin finden sich sowohl die Tourenbeschreibung, Kartenmaterial, Unterkunftsempfehlungen und die GPS-Tracks zum Download. Ein Entscheidungskriterium für die Route war die Möglichkeit jeden Tag entweder die Basisroute oder Varianten zu fahren.

Laut ULP sind die Etappen „fahrtechnisch gut zu bewältigen, aber dennoch eine Herausforderung an Kondition und Ausdauer.“ Das kann ich so bestätigen. Ich war froh, dass ich im letzten Winter jedes Wochenende Moutainbike gefahren bin und so schnell die Sicherheit in den Trails wiederfand. Außerdem konnte ich voll von meinem Triathlon-Training der letzten Monate profitieren. Ich würde sagen, dass ich gerade in einem sehr fitten Zustand bin – die ein oder andere Rampe bergauf ging aber definitiv an meine Grenzen. Daher die Empfehlung solch einen Alpencross nicht zu unterschätzen und nur mit einer guten Grundlagenausdauer zu absolvieren. Obwohl wir sicherlich gut trainiert sind, so waren wir mit der Basisroute auf unserem ersten Alpencross gut bedient.

Wirklich toll an der Strecke vom Zillertal an den Gardasee ist die Durchquerung ganz unterschiedlicher Kultur- und Landschaftsräume: der Start im Zillertal mit Blick auf die Alpen, dann die Alpenüberquerung über das Pfitscher Joch auf über 2.000 Meter, weiter nach Südtirol mit wunderschönen Bergpanormanen wie dem Langkofel oder Rosengarten. Schließlich Trentino mit der Fahrt zum Gardasee durch eine mediterrane Landschaft mit Palmen, ersten Oliven- und Feigenbäumen.

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Orientiert haben wir uns sowohl an den Beschreibungen im Buch, als auch an dem Kartenmaterial. Die meiste Zeit leitete uns Max‘ Polar-Uhr, auf die wir die gpx-Daten geladen hatten. Dies funktionierte größtenteils sehr gut. Den ein oder anderen Umweg sind wir zwar gefahren, aber irgendwann fanden wir uns fast immer auf dem richtigen Weg wieder. „Fast immer“ bedeutet, dass wir einmal auf einem alpinen Wanderweg gelaufen sind, der absolut nicht befahrbar war und am vorletzten Tag in einem Steinbruch gelandet sind, durch den wir eine geschlagene Stunde bergab laufen mussten. Im Bonunsmaterial dieses Artikels findet ihr meine Garmin-Aufzeichnungen inklusive der Anmerkungen, wo wir falsch gefahren sind.

Das Material

Viele der „Transalpler“, die wir auf der Tour getroffen haben, fuhren mit einem Fully-Mountainbike. In unserer Gruppe war nur Max mit einem Fully unterwegs. Der Rest verließ sich auf das Hardtail und die Bikebeherrschung. Ich selbst hatte lang überlegt, da ich momentan sowohl Hardtail, als auch Fully im Keller stehen habe. Ich war aber letztendlich über mein Hardtail sehr froh. Die vielen Höhenmeter fahren sich damit einfach leichter und die Tour macht meiner Meinung nach so mehr Spaß. Obwohl ich in den letzten Monaten fast nicht auf dem Mountainbike saß, konnte ich nach einiger Überwindung fast alle Trails problemlos mit meinem Hardtail runterfahren.

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Mein geliebtes Specialized Hardtail MTB

Die Unterkünfte

Wir hatten alle Unterkünfte vorgebucht. Soweit noch verfügbar, haben wir uns an den Tipps im Buch orientiert. Daraus eine große Empfehlung: das Hotel Piccolo in Obereggern. Wir mussten dafür zwar weitere 500 Höhenmeter zusätzlich zu der Basisroute erklimmen, aber der Abstecher lohnt sich! Ganz weit oben umgeben von Felswänden liegt dieses Hotel, das uns genau das geboten hat, was Biker-Herzen höher schlagen lässt: unsere Wäsche wurde gewaschen, wir bekamen Tipps für die weitere Route, es gibt eine tolle Sonnenterrasse für das erste Bier nach der Tour, sowie ein großartiges 5-Gänge-Menü, das sogar Max satt machte.

Außerdem noch empfehlenswert, wenn auch nicht im ULP Buch vertreten: das Panoramahotel Post über Brixen. Auch hier haben wir abends knapp 400 weitere Höhenmeter erklommen, um in den Teilort St Andrä zu gelangen. Und auch das lohnte sich. Toller Ausblick über Brixen, Pool, leckeres Frühstück und ein super Restaurant direkt gegenüber.

Triathlon Facts

Natürlich hatte ich während der Tour auf einigen ebenen Asphaltstrecken auch Zeit, um über die Transalp-Tour als Teil des Triathlon-Jahrs zu philosophieren. Und ich bin zu dem Schluß gekommen, dass diese Tour mein erstes Triathlon-Jahr perfekt vollendet hat. Denn auch hier gab es wieder einige Grenzerfahrungen, die für mich einen Teil des Triathlon-Lebens ausmachen.

Da sind zunächst die mentalen Grenzerfahrungen: ich war früher oft ein eher vorsichtiger Typ und habe mich in den letzten Monaten zu einigen Dingen überwunden, die ich mir vor dem Einstieg in das Triathlon Universum nicht hätte vorstellen können. Und auch auf der Transalp-Tour musste ich mich vor allem in den ersten Tagen immer mal wieder überwinden – beispielsweise dazu, besonders steinige oder wurzelige Trails runterzufahren, am Berg wieder einzuklicken, nicht zu viel darüber nachzudenken, was passiert, wenn ich eingeklickt am Steilhang auf Schotter nicht mehr die Kraft habe, weiterzufahren.

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Hochkonzentriert die Trails hinunter

Hätte ich in den ersten zwei Tagen nicht immer mal wieder Daniela im Blick gehabt, so hätte ich mich einiges nicht getraut. Wir haben sowohl technisch als auch konditionell ein ähnliches Niveau und wenn ich sah, dass sie vor mir fuhr, dann wusste ich, dass ich das auch schaffe. Sie hat mir im Übrigen auch gar keine Chance gegeben ängstlich zu sein: als ich am zweiten Tag auf einer langen steinigen Strecke am liebsten gar nicht mehr aufsteigen wollte, rief sie mir fast leicht vorwurfsvoll zu „Komm Alex, das kannst du doch!“ Also – keine Chance Mädchen zu sein, rauf aufs Rad und fahren! Und ich glaube bei einigen Stellen am Berg, auf denen ich vorfuhr, hat mein Anblick auch Daniela angespornt.

Und dann die körperlichen Grenzerfahrungen: am vorletzten Tag durchfuhren wir eine Waldstrecke mit permanenten Kuppeln. Laut ULP Buch darf sich „Bergkönig“ nennen, wer die allerletzte Kuppel mit einer Steigung von 23% fahrend überquert. Für Max und mich war das natürlich „die“ Herausforderung. Bei jeder Kuppel überlegten wir, ob dies nun die finale war. Aber immer wieder kam eine weitere. Als wir uns schließlich auf der besagten Bergkönig-Kuppel befanden, gab es keine Zweifel mehr, denn steiler konnte es gar nicht werden. Ich hörte Max noch vor mir fluchen und beschloss, dass ich dieses Ding unbedingt hochfahren will. Also mobilisierte ich meine ganze  (Willens-)kraft. Die mentale Strategie dabei: ich dachte an meine vom Triathlontraining doch sehr muskulös gewordenen Oberschenkel und rief mir selbst zu, dass diese nun endlich mal richtig zum Einsatz kommen sollten. Oben fahrend angekommen, war ich einfach nur voller Glückshormone und dieser Zustand hielt noch den ganzen Abend an. Laut Conny waren wir wohl sogar etwas „high“ von dieser Erfahrung 🙂

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Obligatorisches „We did it“-Bild am Gardasee

Bonusmaterial: meine Garmin Tracks

Tag 1: Stumm-Dominikushütte // Einige Höhenmeter, ein kurzer Schotterweg bergauf zum MTB einfahren, dann recht langer Anstieg auf Asphalt.

Tag 2: Dominikushütte-Brixen // die eigentliche Alpenüberquerung. Lange Schiebepassage Richtung Pfitscher Joch, die letzten Kilometer Richtung Joch bei gutem Wetter dann aber fahrbar. Tolle und herausfordernde Trails bergab im Anschluß

Tag 3: Brixen-Völs // Achtung Höhenmeter stimmen in meinen Aufzeichungen nicht, da die Garmin-Uhr die Gondelfahrt aufgezeichnet hat. Wir sind zwischen St. Peter und St. Ulrich auf einem nicht befahrbaren Wanderweg gelandet. Also entweder gut aufpassen oder vor St. Ulrich einfach mal der Straße folgen.

Tag 4: Von Völs nach Obereggen // Wenige Kilometer dafür stetiges Bergauf-Fahren. Für das Hotel Piccolo lohnt sich das Erklimmen der Wand nach Obereggen. Es fährt auch ein Bus hoch.

Tag 5: Von Obereggen nach Molveno // Wir sind statt auf der Hauptstraße auf dem Wanderweg 8 nach Deutschnofen gefahren (gut fahrbar und viel schöner) // Achtung: nach der Ortsdurchfahrt von Deutschnofen sind wir im Steinbruch gelandet – absolut zu vermeiden. Der Abschluß der Tour Richtung Andalo ist heftig aber sehr schön.

Tag 6: Von Molveno nach Riva // Ruhiger Abschluß, der genügend Zeit lässt um den Nachmittag am See zu verbringen.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Das ist ja herrlich! ich konnte deine Glückshormone erlesen. Ein so schöner Bericht. Danke auch für das Teilen der Tracks. Wer weiß, vielleicht nutze ich die auch mal.

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    1. Dann melde dich gerne und ich geb dir noch ein paar weitere Tipps. Oder du fährst im nächsten Jahr einfach mit den Esslinger Triathleten mit, der nächste Alpencross kommt bestimmt 😉

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