Swim, hike, run auf Teneriffa

Diejenigen, die mich gut kennen, wissen es ganz genau: ich bin kein Weihnachtsfan! Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, Deko-Wahn, Kerzen und Co ist so gar nicht meins. Daher habe ich dieses Jahr im Dezember meinen Badeanzug und meine Laufschuhe eingepackt und bin in den Flieger nach Teneriffa zum T3 Schwimmcamp gestiegen. Spoiler: ich werde es wieder tun!

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Auch wenn meine Schulter leider der Schwimmbelastung nicht ganz Stand gehalten hat, so hatte ich eine super Zeit. Und wie Coach Stephan Radeck zu meiner Schwimmpause am fünften und sechsten Tag so schön sagte: „Als Triathlet kannst du ja immer was trainieren.“

Das Trainingsprogramm

Am Tag unserer Ankunft gab uns Coach Holger Lüning einen ausführlichen Einblick in das, was uns in der kommenden Woche erwarten sollte. Auf dem Programm stand so ziemlich alles, was man als Schwimmer mal miterleben möchte: von Intervallen, über den Stundentest, Open Water Schwimmen im Meer bis zum Strömungskanal und der Videoaufnahme. An sieben Tagen standen fast jeden Tag zwei Schwimmeinheiten an. Der Ablauf der meisten Einheiten war ähnlich wie der Trainingsablauf, den ich von unserem Vereinstraining kenne. Im Durchschnitt 3 Kilometer schwimmen, am Anfang wenige aber dafür fokussierte Technikübungen, dann Schnelligkeitstraining und schließlich Grundlage. Mein Favorit waren die Intervalle am zweiten Tag, die unter anderem aus Tempovariationen bestanden. Eine gute Übung für mich, da ich bislang entweder langsam oder schnell schwimme  – dazwischen weiter zu differenzieren fällt mir schwer. Die Intervallsession im 25 Meter Becken bestand aus 8×50 Metern mit der Vorgabe, diese idealerweise in der exakt gleichen Geschwindigkeit zu schwimmen. Darauf folgten 6×50, wobei jeweils 3x die Geschwindigkeit gesteigert werden sollte. Dann noch 3×50 Vollgas und schließlich nochmal nach langer Pause einen letzten 50er „all out“. Dieser letzte all-out-50iger war dann mein schnellster. Das gibt Gewissheit, dass aus der Erschöpfung heraus noch gute Leistungen abrufbar sind.

Video-Überraschung

Im ersten Moment leicht geschockt hat mich das Ergebnis der Videoanalyse. Wir erhielten in Kleingruppen Feedback von Coach Stephan Radeck. Die drei Athleten, die vor mir dran waren, schwimmen alle langsamer als ich. Daher freute ich mich schon auf mein Unterwasserbild. Da ich ja schneller bin, müsste es doch eigentlich technisch noch besser aussehen als bei meinen Vorschwimmern. Weit gefehlt! Ich entdeckte genau das, was unser Vereinstrainer schon lang bemängelt. Bislang war ich der Meinung, dass ich das eigentlich ganz gut umsetze. Nun weiss ich, dass da noch einiges zu tun ist. Denn wenn ich Luft hole, mache ich mit dem Kopf eine 180 Grad Drehung – ich schau nach vorne, zur Seite und nach hinten. Dadurch, dass der Kopf so lange oben ist, fällt die Schulter ab, der linke Arm ebenfalls, so dass ich links nicht mehr richtig durchziehen kann und viel Druck verloren geht. Nun gut, es ist zumindest technisch also noch Luft nach oben – vielleicht ja auch bei der Geschwindigkeit 🙂

Planänderung

Bereits am Abend des zweiten Tages spürte ich leider einen Schmerz, der mir noch aus dem letzten Winter bekannt war, als ich meine Trainingsumfänge schnell steigerte. Ein Ziehen im rechten Oberarm.  Dieses Ziehen verlagerte sich dann auch noch auf den linken Oberarm und strahlte auf den Rücken aus. Den vierten Tag bin ich dennoch weiter mitgeschwommen, aber am Ende der Nachmittagseinheit spürte ich, dass der ganze Körper sich beim Schwimmen schlecht anfühlt. Daher habe ich dann schweren Herzens zwei Tage ausgesetzt. Und wie schon geschrieben: als Triathletin kann man ja eigentlich immer trainieren. Ich habe dann inspiriert von Stephan ein Sprint-Training (3×10, 3×20, 3×30) auf der Bahn ausprobiert, das mir viel Spaß  – und im Nachhinein auch viel Muskelkater – bereitet hat. Den Tag darauf nutzte ich für eine Wanderung in der Nähe des höchsten Berges der Insel, dem Teide.

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Die Kunst ist – und das gilt eben nicht nur für Triathleten –  Planänderungen auch was positives abzugewinnen. Statt mich über die ausgefallenen Schwimmeinheiten zu ärgern, hatte ich einen tollen Wandertag und freute mich darüber, dass ich auch mal was anderes von der Insel gesehen habe als das Hotel und die Sportanlage T3.

Urlaub unter Sportlern

Letztere ist natürlich definitiv ein Traum für jeden Sportler. Ursprünglich als Fußball-Anlage geplant, bietet das T3 alles, was das Sportlerherz höher schlägen lässt. 50 Meter und 25 Meter Becken, Laufbahn, Fitnessstudio, Cross-Fit Bereich, Strömungskanal, Whirlpool und eine geniale Terrasse, auf der wir nach dem Training unseren frisch gepressten Orangensaft schlürften.

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Selbst als ich angeschlagen war, motivierte mich diese Trainingsumgebung. Und ein weiterer ganz wichtiger Motivationsanreiz: die super Gruppe, die aus Triathleten und Schwimmern bestand. Jeder in seinem Leistungsbereich ein passionierter Sportler, mit dem man stundenlang über Training, Wettkämpfe und Ernährung philosophieren kann. Manchmal haben wir uns im Wasser zwar „Battles“ geboten, uns gleichzeitig aber auch immer wieder gegenseitig angespornt.

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Viele Meinungen – eine Athletin

Die Herausforderung bei so vielen verschiedenen Sportlermeinungen zu meinen Schulterproblemen: für mich zu entscheiden, wann es richtig ist, das Training auszusetzen. Da ich nun mal gerne kommuniziere, darf ich mich auch immer über viele gut gemeinte Ratschläge freuen. Letztendlich weiss aber natürlich nur ich selbst, wie sich der Schmerz anfühlt und was er mit meinem Körper macht. Und dieses Körpergefühlt betrifft schließlich nicht nur Verletzungen, sondern auch Trainingspläne und deren Anpassung an den aktuellen Fitness- oder Erschöpfungszustand. Das hat auch einer der Ärzte aus unserer Gruppe am letzten Tag schön formuliert: „einfach mal ausprobieren wieder zu schwimmen, dein Körper sagt dir dann schon, ob es geht oder nicht.“ So konnte ich heute die letzte Einheit zumindest teilweise mitschwimmen, was mir ein gutes Abschlußgefühl gibt.

Wie eingangs geschrieben: Teneriffa im Dezember – I’ll be back! Und vielleicht kann ich im nächsten Jahr ja auch meine bessere Triathlon-Hälfte davon überzeugen. 😉

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. hwilken sagt:

    Liebe Alexandra, das hast Du sehr schön zusammengefasst. Hat Spaß gemacht, und es war ganz schön anstrengend, im Wasser an Dir dran zu bleiben 🙂 Bis zum nächsten Mal… Gruß, Hermann

    Gefällt 1 Person

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