Triathlon-Philosophie

Dass mein Freund und ich auf der Heimfahrt von Wettkämpfen gerne über Triathlon philosophieren, hatte ich ja schon an der ein oder anderen Stelle geschrieben. Nach meinem ersten Liga Wettkampf dieses Jahr in Neckarsulm ist es aber ganz besonders philosophisch geworden.

Eigentlich lief es doch gut

Soweit war vor und während des ersten Sprint-Wettkampfs dieser Saison alles wie gewohnt: die Nervosität kurz vor dem Start war (leider) noch genau die gleiche wie im letzten – meinem ersten – Triathlonjahr. Der Klassiker wie immer der Moment kurz vor dem Schwimmstart: ich stehe am Beckenrand und überlege panisch, wie ich dieser Situation entkommen könnte. Wie es wäre einfach wegzurennen. Und die Frage, warum ich das eigentlich mache. Glücklicherweise kommt dann der Startpfiff und es gilt, nicht mehr zu denken, sondern einfach nur Gas zu geben.

So richtig rund lief das Schwimmen nicht: ich holte meine Vorschwimmerin recht schnell ein und überholte sie. Allerdings war ich ihr dann wohl doch zu langsam, so dass sie die restlichen 500 Meter permanent auf meine Füße klopfte, was mich ziemlich aus dem Konzept brachte. Ob das letztendlich dazu beitrug, dass ich mit meiner Schwimmzeit gefühlt etwas unter meinen Möglichkeiten blieb, ist natürlich schwer zu sagen.

Das Füßeklopfen war der einzige Zwischenfall. Ansonsten lief der Wettkampf rund und ich fühlte mich gut. Sowohl die Rad- als auch die Laustrecke waren auf Grund der Steigungen wirklich anstrengend. Mein Highlight auf dem Rad waren die Abfahrten. Während ich letztes Jahr immer wieder kleine Duelle bergab verloren hatte, konnte ich am Sonntag hier viele Athletinnen überholen. Das Trainingslager in Südfrankreich mit den vielen kurvenreichen Abfahrten hat sich diesbezüglich schon mal voll ausgezahlt.

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Beim Laufen hatten sich meine Vereinskollegen ein „nettes“ Experiment ausgedacht. Sie hatten beim Anfeuern diskutiert, dass die größte Triathlonlüge darin bestand, den Athleten „das sieht gut aus“ zuzurufen. Sie wollten dann zur Abwechslung durch das Gegenteil motivieren und riefen mir zu „sieht sch… aus“. Adrenalin habe ich in dem Moment sicherlich produziert 🙂 . Ob es mich schneller gemacht hat? Ich glaube eher nicht. Daher Jungs: bleibt bitte bei der motivierenden Triathlonlüge!

Das sagen die Männer mit den weißen Bärten

Nach meinem Zieleinlauf war ich definitiv ausbelastet und gleichzeitig zufrieden. Auf die Frage, wie es lief, war meine erste Reaktion positiv. Ich berichtete begeistert vom Bergabfahren, ärgerte mich ein bisschen über das Klopfen beim Schwimmen, aber ging in dem Moment noch davon aus, dass es mich eher zum schnell schwimmen angespornt haben könnte.

Dann der ernüchternde Blick auf die Zeiten und Platzierungen: beim Schwimmen – die Disziplin, die bei meinem letzten Wettkampf in der vergangen Saison noch die beste Platzierung ausmachte – nur der 41. Platz (von 65). Und im Vergleich zu meiner Mannschaftskollegin Daniela hatte ich mehr als 2,5 Minuten über den gesamten Wettkamp verloren. Dies nicht nur durch das Laufen, in dem sie unschlagbar gut ist, sondern auch beim Radfahren. Die Zufriedenheit schlug schnell in Unzufriedenheit um und in mir kam die Frage auf, wozu ich eigentlich trainiere, wenn – wie in dem Moment gefühlt – nichts dabei rauskommt.

Und diese Reaktion gab dann natürlich den Anlass für die eingangs beschriebene philosophische Diskussion. Mein Freund berichtete von Situationen aus seiner Triathlonlaufbahn, in denen er für sich keinen guten Wettkampf abgeliefert hatte, am Ende aber doch unerwartet schneller war als Athleten, die in seinem Leistungsbereich sind. Und wie er diese Wettkämpfe dadurch plötzlich als positiv empfand.  Dann wiederum erinnerte er sich an Wettkämpfe, die gut liefen, er am Ende aber feststellte, dass genau diese Athleten doch schneller waren und er dadurch nicht mehr zufrieden war.

Seltsam, wo wir doch alle wissen, dass wir uns nicht vergleichen sollten. Zudem verdienen wir unser Geld nicht mit Triathlon und dieser Sport ist doch eine Freizeitbeschäftigung für uns.  Hier auch der Verweis von meinem Freund auf die „Männer mit den weißen Bärten“. Mahnte nicht schon der dänische Philosoph Søren Kierkegaard „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“. Gleichzeitig ist aber so ein Wettkampf doch automatisch ein Vergleich mit anderen Athleten. Sonst könnten wir ja auch alleine durch den Wald laufen.

Immerhin: am Tag nach dem Wettkampf bin ich wieder völlig ausgeglichen zur Arbeit durch die Weinberge geradelt  und hatte für mich auch wieder die Antwort auf das „wozu“ gefunden. Denn wie –  schon mehrmals geschrieben – Triathlon ist eben nicht nur eine Momentaufnahme im Wettkampf, sondern es ist vielmehr ein Lifestlye zu dem Training, Bewegung in der Natur und Abwechslung gehören.

 

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