Das lief rund

I did it again! 🙂 Gestern habe ich meine zweite Mitteldistanz beim Ironman 70.3 im Kraichgau gefinisht. Ein Wettkampf, bei dem eigentlich alles rund lief und mit dem ich genauso zufrieden bin, wie mit meiner ersten Mitteldistanz im Breisgau letzten August. Einige Dinge waren ziemlich ähnlich wie im letzten Jahr, manches hat sich verändert.

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Die Nonplusultra Esslingen Crew vor dem Start

Some things never change

Was wohl immer gleich bleibt, ist die Anspannung in der Woche vor dem Wettkampf. Ich habe mich für eine richtige Tapering-Woche entschieden, in der ich – wenn überhaupt – nur noch kurze Einheiten mit schnellen Passagen absolvierte. Die Auswirkungen auf Körper und Geist waren interessant zu beobachten. Mein Körper ist komplett runtergefahren und ich bin richtig schlapp geworden. So dass ich sogar besorgt war, ob ich nun vielleicht einen Infekt hätte. Mein Tatendrang war dementsprechend bei Null und ich konnte mir ein paar Tage vor dem Wettkampf gar nicht vorstellen, dass ich am Sonntag in der prallen Hitze auch nur irgendwie Gas geben könnte. Doch die Wettkampflust kam am Freitag, dem Tag unserer Abreise ins Kraichgau. Die Stimmung besserte sich weiter als wir dann über die Wettkampf-Messe liefen, Sebi Kienle trafen und ein paar nette Fotos machten.

sebi

Und obwohl ich mir vorgenommen hatte, nicht in den Ironman-Shopping Modus zu verfallen, bin ich natürlich direkt im ersten Merchandise Shop schwachgeworden.  Der Samstag dann ein Tag zwischen Aufregung beim Beutel packen, beim Check-In, Ablaufen der Wechselzone, Antesten des Sees und der Kohlenhydratezufuhr. Die Nacht überraschend ruhig bis zu dem Moment, in dem ich bemerkte, dass ich noch nicht wusste, wo genau man vor der zweiten Wechselzone vom Rad steigen muss. Zur Freude meines Freunds blätterte ich mitten in der Nacht nochmal in der Wettkampf-Broschüre, um genau dies herauszufinden. Nebenbei bemerkt: das war relativ unnötig, weil der genaue Abstiegs-Punkt letztendlich ein leicht anderer war, als in der Broschüre markiert.

Änlich wie im letzten Jahr war auch das Gefühl bei den drei Disziplinen: beim Schwimmen (1,9 Kilometer) und Radfahren (90 Kilometer) hatte ich richtig viel Spaß –  die Zeit auf dem Rad verflog wie im Flug. Ich kannte die Strecke nicht und es war nur eine Runde zu fahren, sprich es gab immer wieder Überraschungen bei der Wegführung. Zum Schluß ging es nochmal knackig den Schindelberg hoch, aber das schwere Atmen der Athleten um mich herum bestätigte mich, dass nicht nur ich angestrengt war.

Und dann wieder der Anfang der dritten Disziplin – das Laufen. Auf den ersten der 21 Kilometer bei rund 30 Grad war alles schwer und es war ein echter mentaler Kampf, ein bisschen Gas zu geben. Vom Gefühl her wäre ich gerne einfach so vor mich hingetrabt. Während der ersten von drei Runden musste ich mich immer wieder selbst ermahnen, aus der Komfortzone des gemütlichen Laufens rauszukommen. Denn alles was darüber war, tat natürlich weh. Kurz wieder der Gedanke – das mache ich nie mehr! Doch dann nach ca. 5 Kilometer kam er – der Laufflow und von Kilometer zu Kilometer wurde es besser bis hin zu dem Moment, in dem mir das Laufen doch tatsächlich Spaß machte.

 

 

Ein bisschen Veränderung muss sein

Eine Sache, die mich im Vorfeld viel beschäftigt hatte, war der Schwimmstart. In der letzten Saison hatte ich bei zwei Seewettkämpfen richtig Panik bekommen, schluckte Wasser und musste erst mal an der Seite locker schwimmen, um wieder ruhig zu werden. Daher blickte ich dem Rolling Start in Kraichgau gespannt entgegen. So richtig vorstellen konnte ich mir nicht, dass der Start bei dem alle 5 Sekunden 4 Personen ins Wasser gehen, das Feld richtig entzerren sollte. Doch ich hatte mich getäuscht – ich rannte los, sprang ins Wasser und war erst Mal überrascht – rechts, links, vor mir – kein Mensch. Ich konnte mein Glück kaum fassen und bin freudig losgeschwommen. Ganz anders als bei den letzten Seewettkämpfen.

Daher ist der Rolling Swim Start für mich eine gute Sache. Auch wenn natürlich klar ist, dass das Feld dadurch unübersichtlich wird. Hätte ich Qualifikations-Absichten gehegt, wäre es unmöglich gewesen, zu sehen, wo ich stehe und auch für die Zuschauer ist es nicht abschätzbar, wo ihre Athleten sich gerade befinden. Dennoch: für mich hätte es gestern keinen Unterschied gemacht, zu wissen, wer um mich herum ist. Ich habe alles gegeben und wäre auch nicht schneller gewesen, wenn ich gewusst hätte, dass vor mir eine Frau aus meinem Leistungsbereich fährt oder läuft. Und mal ehrlich: für diejenigen unter uns, die das Ding weder gewinnen noch bei einem stark besetzten Feld Chance auf eine WM-Qualifikation haben: wo ist der Unterschied, ob ich am Ende auf Platz 37 oder 36 lande?

Ein kleiner Nachteil bleibt natürlich: wir standen ewig am Schwimmstart. Die ersten Athleten gingen 9:15 an den Start. Ich hatte mich mit einem Kollegen realistisch bei der Zielzeit von 35 Minuten eingeordnet. Dies bedeutete für uns fast 25 Minuten in der prallen Sonne im Neo braten bis wir endlich ins kühlende Wasser durften. Und ein Learning für den nächsten Rolling Start: die wenigsten ordnen sich realistisch ein. Jedenfalls habe ich während des gesamten Schwimmens durchgehend überholt und war gefühlt nie neben oder hinter jemandem, der meiner Geschwindigkeit entspricht.

Ein weiterer Unterschied  zu meiner ersten Mitteldistanz beim Breisgau Triathlon. Die Laufstrecke ging nicht durch die Weinberge, so dass man teilweise alleine kämpfen musste, sondern durch den Ort Bad Schönborn und zwar auf mehreren Runden. Dementsprechend war auch die Stimmung. Gleich zwei Mal hat mich diese so mitgetragen, dass Adrenalin durch meinen Körper schoss, ich Gänsehaut bekam und einfach nur noch grinsen musste. So erging es mir auch bei einem der Hot Spots auf dem Rad. Ähnlich dem Solarer Berg in Roth standen viele Menschen an einem richtig steilen Stich und jubelten den Athleten zu. Ich konnte gar nicht anders und bin den Berg hochgeflogen. Natürlich nicht ungefährlich (und ja, Trainer, auch unvernünftig ;-)), denn das Laktat ist mir nach dem kleinen Anstieg ganz schön in die Beine geschossen, so dass ich danach erst Mal etwas langsamer fahren musste. Es hat aber einfach zu viel Spaß gemacht, um es zu bereuen.

Das war sie also meine zweite Mitteldistanz, die ich in 5:31 und Platz 37 von ca. 260 in der Frauenwertung abschließen konnte (Swim 33:51 / Bike 3:01 / Run 1:50). In diesem Jahr war die Mitteldistanz bereits der zweite Wettkampf der Saison, im letzten Jahr war sie mein Saisonabschluß. Der gestrige Wettkampf sollte für mich auch nochmal ein Denkanstoß sein, ob es nächstes Jahr Richtung Langdistanz geht. Aber Stand heute bin ich noch unentschlossen. Der Marathon am Ende macht mir einfach noch einen riesigen Respekt. Wir werden sehen…

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. gabiwinck sagt:

    Gratuliere! Zum Glück war mein erster Tria eine IM-Distanz … so musste ich mir keine Gedanken machen, dass die Strecke doppelt so lang ist wie ein 70.3 hahhahaaaa!!! Konnte mir davor sowieso nicht vorstellen, dass man nach 180 Rad noch laufen kann, geschweige denn, dass man davor fast 4 km schwimmen muss … Aber was nicht alles geht, wenn man den Kopf ausschaltet …

    Gefällt 1 Person

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