Fahr mit!

Das war heute der erlösende Ruf beim olympischen Liga-Wettkampf in Erbach. Während meine Mitteldistanz vor zwei Wochen im Kraichgau ein Wettkampf war, in dem ich fast durchgängig auf mich allein gestellt war, ging es heute bei allen drei Disziplinen ums Dranbleiben, Einholen, Überholen und überholt werden. Und das ist in den gut zweieinhalb Stunden so passiert:

Wasserschatten-Premiere

Bei meinem neunten Triathlon ist es passiert – ich bin zum ersten Mal ein paar Minuten Wasserschatten geschwommen. Leider viel zu kurz. Denn an der zweiten Boje passte ich ganz kurz nicht auf und bin etwas langsamer geworden. Ich war sicher, dass es kein Problem werden würde danach weiter mit meiner Wasserschattengeberin zu schwimmen. Doch da hatte ich mich getäuscht – die paar Sekunden hatten ein erstaunlich großes Loch zwischen uns geschlagen. Ich probierte es noch ein paar Mal wieder ran zu kommen. Doch vergeblich, ich schaffte es einfach nicht mehr. Sehr schade, denn danach schwomm ich allein auf weiter Flur. Weit vor mir eine große Gruppe und weit hinter mir eine Gruppe. Das war vor allem strategisch nicht optimal, da es bei dem Rennen Windschattenfreigabe gab und das Ziel eigentlich gewesen wäre, mit einer Gruppe aus dem Wasser zu kommen.

Gruppe gefunden oder eher von der Gruppe gefunden worden

Somit sprintete ich alleine Richtung Wechselzone und die ersten Meter auf dem Rad sah ich weit und breit niemanden. Ich sagte mir schon, dass dies wohl eine einsame Fahrt werden würde und ärgerte mich kurz, weil es mir bei Windschatten-Freigabe bislang nie gelungen war, eine richtige Radgruppe zu finden. Nach den ersten Kilometer jedoch Erleichterung: ich erblickte eine weitere einsame Fahrerin sowie noch weiter vor ihr eine 2-er Gruppe. Da wollte ich ran! Ich gab also alles und fuhr permanent an meinem Rad-Maximalpuls. Die weitere einsame Fahrerin hatte ich schnell eingeholt und freute mich – gemeinsam mit ihr könnten wir die Gruppe vor uns erreichen. Also fuhr ich ran und rief ihr zu „Komm, da fahren wir ran!“ Doch sie schaute mich nur kopfschüttelnd an und ich merkte, dass sie schon ziemlich am Limit war. Also hieß es weiter drücken. Doch es gestaltete sich einfach unmöglich, die Gruppe vor mir zu erreichen. Sobald ich mich gefühlt ein paar Kilometer näherte, sah der Abstand nach der nächsten Kurve wieder genauso groß aus wie zuvor.

Bei Kilometer 10 kam dann der erlösende Ruf von hinten „Fahr mit“ und ich sah neben mir eine Gruppe von 8(!) Mädels. „Ja!“ rief ich und ab da konnte sich mein Puls erholen. Wir waren zwar eine leicht chaotische Gruppe, mit ein paar Mädels, die besonders lange vorne blieben und nicht bis hinten durchwechselten. Wenn wir uns etwas besser organisiert hätten, wäre wohl mehr drin gewesen. Dennoch: ich war einfach nur happy über diese Gruppe. Vereinskollege Oli verglich diese zwar nachher mit einer Kaffeeausfahrt, weil ich mittendrin so entspannt ausgesehen hätte. Und manchmal fühlte es sich mitten in der Gruppe tatsächlich so an.  Doch vorne zu fahren und die kurzen Steigungen waren durchaus fordernd genug.

Am Ende waren wir mit der Gruppe schließlich so eins geworden, dass wir uns kollektiv mit dem Finale der Fahrradstrecke verschätzten. Irgenwann fingen die ersten Mädels mit der Vorbereitung auf die zweite Wechselzone an und zogen ihre Fahrradschuhe aus. Kurz zuckte ich, denn ich hatte in Erinnerung, dass die Radstrecke sich noch ein gutes Stück durch das Industriegebiet zog. Als dann aber alle anfingen ihre Schuhe auszuziehen, habe ich fälschlicherweise der Gruppenintelligenz vertraut und die Schuhe auch ausgezogen. Letztendlich ging es für uns dann noch knapp 10 Minuten barfuß weiter – um Kurven und über kleine Anstiege.

Überholen und überholt werden beim Laufen

Das Laufen ist bei mir ja immer wieder für eine Überraschung gut. Heute war es genau anders herum als bei der Mitteldistanz (was natürlich insofern stimmig ist, dass es einfach eine andere Geschwindigkeit ist). Die ersten Kilometer liefen wunderbar, mit einem tollen Laufgefühl, einer guten Geschwindigkeit und dennoch ohne Leiden. Ich überholte bereits nach 500 Metern eine Athletin aus meiner Radgruppe und heftete mich an die Fersen einer weiteren Athletin aus der Gruppe, die wirklich sehr dynamisch lief. Kurz vor dem Wendepunkt bei Kilometer 5 merkte ich allerdings, dass der Spaßfaktor enorm abnahm, die Leichtigkeit verflogen war und auch die Sauerstoffaufnahme nicht mehr so rund lief. Das nahm mit jedem weiteren Kilometer zu und die letzten 3 Kilometer waren ein reiner Kampf gegen mich selbst. Ich wurde noch von drei Mädels überholt und dranzubleiben war nicht mehr möglich. Es ging nur noch darum, über die Ziellinie zu laufen und die Geschwindigkeit nicht zu sehr zu verlieren. Das sollte zum Glück klappen und nach 2:37 (28:03/1:18:31/46:47) lief ich völlig entkräftet über die lang erträumte Finish-Line. Und das Leiden hat sich gelohnt – mit den Esslinger Mädels sind wir dieses Mal auf Platz 7 gelandet und arbeiten uns somit noch eine Position weiter nach vorne.

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Mit Vereinskollege und AK-Gewinner Oli entspannt nach dem Wettkampf
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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Katharina sagt:

    Hallo Alex,
    das hab ich gerade gelesen und sofort an dich und deinen Wettkampf gedacht 🙂 http://tri-mag.de/training/bringt-drafting-ersten-disziplin-141893
    Und Glückwunsch zum gelungenen Wettkampf und Plätze gut machen in der Liga!
    Viele Grüße,
    Katharin

    Gefällt 1 Person

  2. Sehr interessant – ich werde es nächstes Mal mit dem seitlichen Ranschwimmen probieren. Dann kann sie mir auch nicht so schnell entwischen 🙂

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