Das beste Training ist der Wettkampf

Wenn die Überschrift so stimmt, dann hatte ich beim Liga-Teamwettkampf in Ebenweiler eine richtig gute Trainingseinheit im Laufen. Dass die dritte Disziplin die härteste für mich werden würde, war von vornerein klar. Dass es so hart werden würde, hat mich dann doch etwas überrascht.

Lange und falsche Wege

Der längste Weg am Sonntag war die Anfahrt. Über zwei Stunden brauchten wir mit dem Auto, um nach Ebenweiler bei Ravensburg zu kommen. Das erschien angesichts der zu erwartetenden Wettkampfzeit von einer starken Stunde fast etwas absurd. Aber  natürlich ist es nur fair, dass wir auch mal in den Süden fahren und die dortigen Teams eine kürzere Anfahrt haben.

Als nach einiger Wartezeit bekannt gegeben wurde, dass für uns das Schwimmen auf Grund der Gewitterwolken ausfallen sollte, war klar, dass wir nun noch kürzer unterwegs sein würden. Insgeheim freuten wir uns, dass es nun Bike&Run statt Triathlon hieß. Denn das Schwimmen ist die Disziplin,  in der wir über unser Mädels-Team verteilt den größten Unterschied haben. Oder wie wir es auf die Frage von unserem Mannschaftskollegen Benni formulierten: wir sind ein homogenes Team – homogen unterschiedlich. 🙂

IMG-20170710-WA0015

Um 15:15 ging es endlich los für uns und wir rannten voller Motivation zu unseren Rädern. Direkt gefolgt von den Backnanger Mädels, mit denen wir uns bereits im letzten Jahr einen  heißen Kampf auf dem Rad lieferten und die in der Gesamtwertung direkt hinter uns liegen. Da es kurz zuvor stark geregnet hatte, war alles komplett nass – Schuhe, Helm und Brille. Aber dank des Wettkampfadrenalins waren die nassen Schuhe nach einer Sekunde vergessen und ab ging’s direkt in den ersten Anstieg der Radstrecke.

IMG-20170710-WA0016

Die erste zehn Kilometer-Runde lief super – Sabrina und Dani blieben lange vorne und machten Druck, so dass wir zum Ende der ersten Runde drei Teams überholt hatten. Total im Flow freuten wir auf die zweite Runde… Bis wir an eine Kreuzung kamen, an der es geradeaus und rechts ging. Die Beschilderung habe ich persönlich hier nicht gesehen. Dani und ich hörten ein „Rechts“ von den Streckenposten. Also fuhren wir rechts und riefen dies auch Sabrina zu, die eigentlich schon geradeaus gefahren war. Kurz nach dem Abbiegen merken wir, dass irgendwas nicht stimmt: hier laufen sich die Männer aus der 3. Liga ein und es sind keine anderen Mädels mehr hinter uns. Ein Blick nach hinten und wir sehen auf der Strecke geradeaus ein Team nach dem anderen vorbeirauschen. Kleiner Schockmoment! Umdrehen! Nach Dani rufen, die schon vorausgefahren war!

Bis wir wieder auf der Strecke waren und uns zu dritt zusammenfanden, verging einige Zeit. Alle Teams, die wir zuvor überholt hatten, waren bereits wieder vor uns. Und die größte Herausforderung bestand darin, den Ärger über die Panne abzuschließen. Letztendlich war es wohl so, dass die Streckenposten „2. Runde rechts“ riefen. Aber mal ehrlich: im Racemodus ganze Sätze wahrnehmen? Schwierig! Wir sammelten uns im Laufe der nächsten Kilometer wieder, aber ich hatte das Gefühl, dass wir den Flow von der ersten Runde nicht mehr ganz fanden. Die drei Teams überholten wir zwar wieder recht schnell, doch gegen Ende der Radstrecke überholten uns noch die Backnangerinnnen, die uns dann auch auf der Laufstrecke begleiten sollten.

5 lange Kilometer

Der Plan war, dass ich beim Laufen das Tempo am Anfang vorgeben sollte, da ich nicht direkt 100% Vollgas loslaufen kann bzw. dies bei mir direkt zu Laktatbildung führt und ich dann keinen guten Lauf machen kann. Die Mädels ließen mich also auf der kurzen flachen Strecke vor und auch auf dem direkt folgenden Anstieg. Doch der vermeintliche Druck der Gruppe führte dazu, dass ich doch etwas über meinem Tempo anlief. Da half es leider auch nicht, dass unser Trainer uns noch zurief, dass wir etwas lockerer anlaufen sollten. Im Zuge des ersten Anstiegs spürte ich schon, dass das lange 5 Kilometer werden würden. Wir nährten uns zwar recht schnell den Backnangerinnnen und kurz nach der ersten Kuppe überholten wir sie zum ersten Mal. Als ich dann aber sah, dass auf den ersten Anstieg weitere Anstiege folgten, kam die erste kleine Panik in mir auf. Ich glaube ich sagte zu den Mädels etwas wie „das schaff ich nicht“, denn die Beine waren übersäuert und ich war schon im Belastungs-Stöhn-Modus. Die Backnangerinnen überholten uns wieder zurück. Auf dem zweiten und dritten Kilometer hatte ich an den Anstiegen den Eindruck, dass ich nicht lief sondern joggte. Nach dem Wendepunkt wurde es ein bisschen besser: Dani schob mich an (Danke!), es ging immer wieder bergab und ich konnte wieder ins Laufen übergehen, so dass wir die Backnangerinnen erneut überholten und auch das Team Silla Hopp auf der Laufstrecke hinter uns lassen konnten.

Nach dem Zielsprint konnte ich dann nicht anders, als mich dramatisch ins Gras fallen lassen und einfach nur dort liegen zu bleiben. Das positive: ich kann den Wettkampf als eine gute Laufeinheit verbuchen, da ich um einiges mehr über meine Schmerzensgrenze gegangen bin, als wenn ich allein gelaufen wäre. Aber: es tat einfach so verdammt weh! 🙂

Den 8. von 17 Plätzen nahmen wir mit gemischten Gefühlen wahr. Denn: ohne die Radpanne wäre dieses Mal mehr drin gewesen. Aber solche Pannen gehören eben auch zu einem Wettkampf und die Kunst besteht darin, sich davon (nicht zu sehr) aus dem Konzept bringen zu lassen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s