Mit der Form steigt die Erwartung

Es war mal wieder lange ruhig hier. Der Grund: meine Triathlon-Aktivitäten liefen einfach rund in den letzten Monaten. Das bereitet einerseits große Freude, andererseits gab es tatsächlich nicht viel außergewöhnliches zu berichten. Dafür hat mir die Hitzeschlacht am vergangenen Wochenende im Kraichgau nun wieder einen Anlass für einen neuen Blog-Post gegeben.

Saisonstart nach Plan

Meine Vorbereitung auf den Ironman Frankfurt verliefen und verlaufen diese Saison bislang tatsächlich nach Plan und ich konnte mich regelmäßig über kleine Fortschritte freuen. Angefangen von unserem Trainingslager mit dem Verein in Südfrankreich, während dessen ich die hohen Trainingsumfänge gut verkraftet habe, weiter mit einem ersten Sprint-Triathlon Test in Backnang, bei dem ich unerwartet Dritte wurde und schließlich zwei Liga-Wettkämpfe, bei denen ich mich verglichen mit den letzten Jahren relativ gut positionieren konnte.

 

Wenn also alles rund um einen Tick besser als im letzten Jahr läuft, was liegt näher als die Erwartung, dass auch die Mitteldistanz im Kraichgau, die ich dieses Jahr bereits zum dritten Mal absolviere, schneller sein wird als die 5:15 vom letzten Jahr?

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Nonplusultra Crew im Kraichgau

Die Summe kleiner Fehler

Um es vorweg zu nehmen – Kraichgau war kein Desaster. Ich war einfach drei Minuten langsamer als im Vorjahr. Nicht schlimm, aber irgendwie schade, wenn man in der Ziellinie auf die Uhr drückt, die Endzeit nach einem harten Kampf durch die Hitze sieht und dann erstmal enttäuscht ist. Geschwommen bin ich zwar eine halbe Minute schneller als im letzen Jahr und habe mich hier dieses Mal mutig durch die Triathlon-Crowd gewühlt. Allerdings war sowohl das Radfahren als auch Laufen langsamer als im Vorjahr. Woran es lag? Wohl viele kleine Details.

Das Radfahren – alles neu macht das Zeitfahrrad

Ich bin zum ersten Mal mit meinem neuen Zeitfahrrad (Simplon Mr T2) an den Start gegangen. Auf Grund des mittelmäßigen Wetters in den vergangenen Wochen hatten wir nicht wirklich viel Zeit, um uns aneinander zu gewöhnen. Geht es geradeaus, liege ich auf dem Triathlonlenker und habe Spaß an der Geschwindigkeit; geht es leicht bergab, kurvig und kommt dann noch eine kleine Windböe, wird es eine extrem wackelige Angelegenheit. Zumindest nehme ich es so wahr und greife dann unmittelbar zur Bremse.

Für das Land der tausend Hügel also nicht die optimale Voraussetzung und so habe ich mich für meine Verhältnisse zwar mutig den ein oder anderen Hügel im Kraichgau auf dem Triathlonlenker hinuntergestürzt. Im Vergleich zu den Athleten um mich herum habe ich aber dann doch etwas zu oft panisch die Triathlonposition verlassen. Bleibt nur die Hoffnung, dass Übung die Meisterin macht.

Im Endeffekt hat dies dazu geführt, dass ich bereits auf dem Rad permanent einer Zeit hinterhergefahren bin und immer wieder gerechnet habe, wie schnell ich fahren muss, damit ich die Zeit vom letzen Jahr unterbieten kann. Das war mental wohl der größte Fehler, der mir leider auch den Spaß an dem Wettkampf genommen hat.

Das Laufen – Pulsexplosion in der Hitze

Klar – getrieben von der Zeit, die ich auf dem Rad verloren hatte, wollte ich jetzt alles wieder reinlaufen. Ich hatte mir ja im Vorfeld ausgerechnet, dass ich schneller laufen möchte als im letzten Jahr. Also sprang ich vom Rad und machte einen Anfängerfehler – erst mal schnell loslaufen. Dass es heiß werden würde und ich diese Saison noch nicht in der Hitze trainiert hatte, habe ich großzügig ignoriert. Die Hoffnung war einfach, dass die Form ja gut ist und ich genau das abrufen kann, was ich mir vorgenommen habe. Der erste Kilometer geht im Kraichgau bergab und somit war der knapp 4-er Schnitt nicht komplett zu schnell, aber wohl nicht der ideale Start in der Hitze. Was passierte bei Kilometer 2? Der Puls stieg auf 182 und alles fühlte sich unglaublich schwer an. Der nächste Gedanke – wie soll ich jetzt nur einen Halbmarathon laufen?! Noch ein bis zwei Kilometer quälte ich mich weiter, versuchte unter dem 5-er Schnitt zu laufen, doch der Puls blieb konstant extrem hoch. Bis ich nur noch eine Chance sah – die komplette Verabschiedung von irgendwelchen Zeiten, es ging jetzt einfach nur noch um Schadensbegrenzung – Geschwindigkeit rausnehmen bis 5:40-er Schnitt und alles was ich an Flüssigkeit auf der Strecke bekam über mich und in mich schütten. Erst gegen Kilometer  15 sank der Puls langsam. So konnte ich zumindest die letzten Kilometer wieder einigermaßen schnell in Richtung Ziel laufen. Ihr könnt euch vorstellen – auch hier fehlte mir leider die Freude an unserem Sport. Ich dachte an ein Zitat, das ich (meine ich) von Sebastian Kienle aufgeschnappt habe. Das Gute am Triathlon ist: an einem Tag an dem es nicht läuft, kannst du trotzdem stolz sein, dich bis ins Ziel zu kämpfen. Das war letzendlich mein Ansporn, der mich noch bis zur Ziellinie trug.

Jetzt heisst es für mich erst mal: mentale Wunden pflegen, aus Fehlern lernen und neuen Elan für Frankfurt sammeln!

 

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