DNF beim Ironman Frankfurt

Irgendwann ist ja zumeist immer das erste Mal und am vergangenen Sonntag war es für mich soweit. DNF – Did not finish. Nicht an einem sogenannten „gebrauchten Tag“, an dem man sich von Anfang an nicht fit fühlt, sondern bei einem Wettkampf, der für mich richtig gut begann. Gutes Schwimmen und gutes Radfahren trotz harter Bedingungen. Dann Magenkrämpfe beim Laufen in der knapp 40 Grad Hitzeschlacht von Frankfurt, bis ich nicht mal mehr gehen konnte und bei Laufkilometer 32 leider aussteigen musste.

Tapering nicht nach Plan

Auf einer Nervositätsskala von 1-10 war ich dieses Jahr wohl ganz bei der 10 und tatsächlich unsicherer als bei meiner ersten Langdistanz. Angefangen beim Vorbereitungswettkampf über die Mitteldistanz im Kraichgau, die nicht optimal lief. Dann eine windige Radausfahrt im Saarland, nach welcher mein Freund und ich überlegten, ob ich Frankfurt nicht doch lieber mit meinem Rennrad statt mit dem neuen Zeitfahrrad machen sollte. Bis hin zu einer Erkältung, die mich nach einem eiskalten Frühschwimmen erwischt hat, wodurch ich noch drei längere Einheiten streichen musste. Dies alles führte dazu, dass ich die letzten Wochen permanent angespannt war und mich wirklich jeder kleinste Windzug panisch vor einer erneuten Erkältung werden ließ. Über diese Pre-Race Stimmung erzähle ich im Pushing Limits Video ab Minute 25.

Ankommen in Frankfurt

Dass Frankfurt eine andere Art von Wettkampf werden würde als Roth war zwar klar, wurde mir aber nochmal in aller Deutlichkeit bereits bei der Ankunft am Freitag bewusst. Wir haben uns für das offizielle Rennhotel, das Interconti, entschieden. Parkplatzsuche, gestresste Hotelmitarbeiter und direkt daneben das normale Stadtleben, das völlig losgelöst von dem Wettkampf ist. Ganz anders als in Roth, wo die gesamte Region auf diesen Wettkampf hinfiebert und, die gefühlt jeden einzelnen Athleten willkommen heisst.

Race Day – das Schwimmen

Im Gegensatz zu vielen anderen habe ich mich über das Neo-Verbot gefreut. Ich hatte zwar Respekt, weil ich die 3,8 Kilometer am Stück im See noch nie ohne Neo geschwommen war, gleichzeitig war ich aber einfach gespannt auf diese neue Erfahrung. Noch dazu kam so endlich mein Swimskin zum Einsatz, den ich mir vorsorglich schon im Mai zugelegt hatte, während viele andere Athleten sailfish vermutlich noch einen beachtlichen Umsatz in den Tagen vor dem Wettkampf beschert haben.

20190630_064623_neu.jpg
Der Langener Waldsee und die ersten Athleten im Wasser kurz vor 7:00

Trotz Rolling Start ging alles sehr schnell und ich war mit sehr vielen Athleten im Wasser. Da sich einige wohl wieder nicht realistisch eingeordnet haben, befanden sich in meinem Block (1:00-1:10) einige Athleten, die immer mal wieder eine kleine Brustschwimmeinheit einlegten. Daher beschloss ich einfach rechts außen zu schwimmen, was bei der ziemlich gerade verlaufenden Strecke keine große Zeiteinbuße darstellen sollte. Einzige Herausforderung bestand in der Orientierung gegen die Sonne. Hier musste ich mich einfach auf die Athleten-Crowd vor mir verlassen, da die Bojen nur schwer zu erkennen waren. So bin ich tatsächlich ohne große Zwischenfälle gut durch die 3,8 Kilometer gekommen, die wie im Flug vergingen und mit 1:10 so schnell waren wie letztes Jahr Roth mit Neo.

Race Day – das Radfahren

Nach meiner Intervallfahrt auf dem Rad im Kraichgau war mein größter Vorsatz für Frankfurt streng nach Pulswerten Rad zu fahren. Das kam mir am Anfang der Radstrecke noch sehr nach angezogener Bremse vor, wurde aber natürlich im Laufe des Wettkampfes dennoch anstrengend. Die ersten 15 Kilometer mit Rückenwind bin ich im 36er Schnitt ohne Anstrengung nach Frankfurt hinein gerollt.  Danach ging es erst mal durch die Stadt auf einer Straße mit Schlaglöchern und Glas am Straßenrand (wie schon geschrieben – Stadt eben). Die Steigungen empfand ich als sehr harmlos und ich bin diese natürlich auch bewusst locker hochgefahren, da ich ja meinen Puls permanent im Blick hatte. Den größten Schock hat mir der – zwar angekündigte – , aber doch unerwartete Anstieg „The Hell“ bereitet. Ein Stück grobes Kopfsteinpflaster, das direkt hinter einer Kurve auflauerte und dann in einen Anstieg mit noch mehr Kopfsteinpflaster überführt. Hier hat es mich so kräftig durchgeschüttelt, dass ich nach jeder Runde erst mal ein paar Meter fluchend weitergefahren bin. Der zweite kleine Schock kam am Wendepunkt in Friedberg, dem nördlichsten Punkt der Radstrecke. Denn auf einmal war da ein Gegenwind, der beim Verlassen der Stadt immer stärker wurde und auf den Feldern zurück Richtung Frankfurt so stark geblasen hat, dass es eine wackelige Angelegenheit wurde und der Radschnitt ensprechend zurück ging. Eigentlich gar nicht meine Bedingungen, denn wenn ich beim Radfahren kaputt gehe, dann zumeist im Gegenwind. Das Gute daran:  mein Zeitfahrrad und ich haben endlich unsere Freundschaft besiegelt. Denn ich konnte dem Wind richtig gut Stand halten und habe sogar im Gegenwind noch einige kräftige Männer überholt. In der zweiten Runde blies der Wind noch um einiges kräftiger und so war diese auch ganze 13 Minuten langsamer bei ungefähr gleichbleibenden Pulswerten. Nach 5:56 stieg ich nach 185 Kilometer vom Rad und freute mich darauf endlich wieder in die Vertikale zu wechseln.

Race Day – das Laufen

Die Freude hielt zunächst an – ich konnte ohne jegliche muskulären Schmerzen loslaufen. Direkt beim ersten Kilometer lief die aktuell Führende Sarah True an mir vorbei. Eine mega Stimmung, das Führungsfahrzeug, Kameras und irgendjemand rief mir noch zu, ich solle dran bleiben. Ein bisschen hat mich diese Stimmung natürlich mitgezogen, aber nach wie vor hatte ich die Pulswerte im Blick. Die ersten 3 Kilometer liefen gut, bei Kilometer 4 meldete sich zum ersten Mal der Magen. Ich dachte, ein Besuch auf dem Dixi könnte helfen, aber leider war dem nicht so. Ich merkte schon in diesem Moment, dass mich der Magen auf diesem Marathon einschränken würde. Also nahm ich direkt noch etwas Geschwindigkeit raus und hielt mich im unteren Bereich meiner Ironman Pulswerte auf, da alles, was ein Tick nach oben ging unweigerlich zu Schmerzen führte. So konnte ich die ersten 20 Kilometer managen, doch zu Beginn der 3. Runde rief ich meinem Freund schon zu, dass es mir nicht mehr gut geht.

20190630_161102_neu.jpg
Ich sah definitiv schon besser aus. Gerade rufe ich meinem Freund zu „Keine Fotos bitte“

Die Schmerzen wurden stärker, ich musste immer langsamer laufen, um sie einigermaßen zu kontrollieren. An den Verpflegungsstationen hielt ich mich länger auf, um verschiedenste Dinge wie Salzwasser zu probieren, es half nichts. Nach erneuten Dixi Besuchen und weiteren Krämpfen bin ich zum ersten Mal gegangen. Bei Kilometer 23 war es dann eine Abwechslung aus 10 Meter Gehen und 10 Meter Laufen, bei denen sich sofort wieder alles verkrampfte. Bei Kilometer 26 hat mich Dorit nochmal motiviert, es mit Cola zu probieren, was ich dann beim nächsten Stand probiert habe. Doch irgendwann merkte ich, dass ich eigentlich nur noch ging und ab und an zwecklose Laufversuche unternahm. Als die Schmerzen auch beim Gehen kamen, war mir klar, dass ich diesen Ironman nicht beenden werden kann. Die restlichen Kilometer bis zu der Stelle, wo mein Freund stand, habe ich mich  gehend durchgekämpft mit vielen Zuschauern, die zum Weiterlaufen motivieren wollten, aber da war es schon vorbei. Bei meinem Freund angekommen, ist die Anspannung von mir gefallen. Ich lag über eine Stunde mit Schmerzen in der Wiese, nichts ging mehr und mein Freund und Familie haben versucht mich mit kalten Handtüchern zu kühlen. Vielen Dank euch!

Das Leben nach dem DNF…

…geht ja bekanntlich weiter. Erst mal war es schön so viele aufmunternde Nachrichten von ganz vielen Menschen zu bekommen, die über den Live Tracker mitgefiebert haben. Ich habe meistens sehr ähnlich geantwortet: ich bin trotz DNF zufrieden – mit einer guten Schwimmleistung und einer guten Radleistung trotz harter Bedingungen. Die Form war definitiv da – und ist es ja immer noch. Ich habe keine groben Fehler gemacht und kann mir daher keine Vorwürfe machen. Triathlon – und vor allem Ironman – ist eine unberechenbare Extrembelastung. Man kann das Training planen, perfekt vorbereitet sein, doch wie der Körper am Tag x auf extreme Bedingungen wie am Sonntag reagiert, ist eben nicht zu planen. Daher werde ich jetzt einfach die Form, die ich habe, nutzen und nach neuen Wettkämpfen Ausschau halten.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s