Leidenschaft, Ausdauer, Vielseitigkeit…

…das nannte der Sprecher der O-See Challenge in Zittau als Motto der Veranstaltung. Nach meinem ersten Start bei einem Cross Triathlon kann ich dies nur bestätigen. Triathlon besteht eben nicht nur aus den drei Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen. Es gehört bekanntermaßen der Wechsel dazu – oft als vierte Disziplin genannt,  sowie die Ernährung – potentielle fünfte Disziplin auf den längeren Distanzen. Und im Cross Triathlon kommen noch Geschicklichkeit und Mut dazu. Davon brauchte ich eine ganze Menge bei der O-See Challenge, die Teil der Deutschland X-Terra Tour ist und gleichzeitig die diesjährige Deutsche Meisterschaft im Cross Triathlon.

Ganz schön viel Nervosität im Vorfeld

In meiner Saisonplanung ist es schon fast zur Tradition geworden,  nach den Mittel- und Langdistanzen im Juni und Juli die Saison auf dem Mountainbike ausklingen zu lassen.  Es hätte sich wohl als Cross-Triathlon-Initiierung ein technisch einfacherer Wettkampf der X-Terra Tour angeboten, aber leider haben diese nicht in meine Saisonplanung gepasst und somit wurde das verlängerte X-Terra Wochenende zu einem echten Abenteuer.

Zwei Tage vor dem Wettkampf: Selbstvertrauen bei der Streckenbesichtigung! Ich hatte mich bereits darauf eingestellt, dass die Radstrecke mir großen Respekt einflößen würde. Und wie erwartet, hatte sie einiges an Herausforderungen – wie Geröll- und Wurzeltrails bergauf und bergab – zu bieten. Glücklicherweise sind wir bei der Streckenbesichtigung auf erfahrene X-Terra Athleten gestoßen. Als ich merkte, dass auch sie nicht alle Passagen fahren – Zitat „Hier steigen auch die Profis ab“, war ich eigentlich ganz optimistisch, dass es schon werden würde.

Ein Tag vor dem Wettkampf: Panik! Nach der Registrierung wollte ich nochmal ein paar Meter mit meinem Hardtail Race Bike auf der Strecke fahren, da ich die Streckenbesichtigung mit meinem Fully gemacht hatte. Doch leider erwies sich das kurze Anfahren als keine gute Idee: bereits im ersten Trail bergauf bin ich fast gestürzt, auch beim zweiten Anfahren musste ich ausklicken. Hinter mir kam ein junges Mädchen, das wohl bei den O-See Kids starten würde und fuhr locker hoch (Frust-Moment). Dann sagte der Vereinskollege noch „Ist doch total einfach“ und mein Selbstvertrauen war erst mal verschwunden. Als ich schließlich feststellte, dass die steile Gerüstbrücke neben der Wechselzone tatsächlich sowohl direkt nach dem Schwimmen als auch zum Ende der Radstrecke überfahren werden muss, war die Panik perfekt. Kopfkino: ich schaffe es erst gar nicht auf die Radstrecke und werde an der Brücke scheitern. In der Nacht vor dem Wettkampf bin ich diese Brücke gefühlt 20 Mal hochgefahren. Alle Versuche an etwas anderes zu denken, sind gescheitert, immer wieder habe ich mich in verschiedensten Situationen auf der Brücke  gesehen.

Race Day – Schwimmen

Wenn der Wettkampftag da ist, bleibt zum Glück  nicht mehr viel Zeit zu überlegen. Auf dem Weg zum Schwimmstart sagte ich  zu meinem Freund, dass ich gar nicht mehr verstehen kann, warum ich bei einem Straßentriathlon nervös bin – ist doch kein Mountainbike Part dabei. Dementsprechend entspannt war ich auch vor dem  Schwimmen; ich habe mich regelrecht darauf gefreut und kaum war ich im Wasser hätte es ewig für mich weitergehen können. Schade, dass es nur 1,5 Kilometer waren. Denn Schwimmen war ja heute gewohntes Terrain für mich – je länger ich schwimmen würde, desto weiter weg war die Mountainbike Strecke 🙂

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Vor dem Start – danke an Antje für den Fotoservice

Eigentlich war für uns Mädels ein Startabstand zu den Männern von 3 Minuten geplant, doch dieser war kürzer und bereits nach wenigen hundert Metern schwamm ich auf die ersten männlichen Brustschwimmer auf. Ich bin daher recht großzügig um die Bojen geschwommen und hatte hier meine Ruhe. Im großen und ganzen also ein entspanntes Schwimmen.

Race Day – Mountainbike

Dann kam sie – die Gerüstbrücke und das schöne ist doch, dass das Adrenalin im Wettkampf bestens gegen Nervosität hilft. Nach einem langsamen Wechsel (ich war wohl die einzige in der DM-Wertung, die mit Rucksack fuhr), ging es aufs Rad, auf die Brücke zu und drüber. Auf einem Video sieht man, dass ich es wirklich gerade so noch über die Kuppe geschafft habe, aber am Ende war die Brücke dann doch nur ein kleines Detail des Wettkampfes. Danach ab auf die Radstrecke zu dem Trail, den ich am Vortag noch so oft abgefahren war und den ich jetzt unbedingt hochkommen wollte. Völlig umsonst, denn die Athletin vor mir war schon abgestiegen, also klickte ich auch aus. Und dann lief eigentlich alles ganz gut – die ersten längeren Trails fuhr ich mit Druck und ohne zu übertreiben entlang, ebenfalls meisterte ich die ersten Steigungen mit Wurzelpassagen gut, genauso wie eine Abfahrt, die mir bei der Besichtigung noch als extrem herausfordernd vorkam. Und auch wenn ich gefühlt über meine Verhältnisse schnell die Trails hinunterfuhr, so merkte ich, dass ich im Vergleich zu den Cross-Triathletinnen noch viel Spielraum nach oben habe. Bergauf konnte ich gut mithalten bzw. überholte einige Mädels, bergab sind sie mir so davon gefahren, dass ich sie nicht mal mehr gesehen habe. In einem steilen (und kurzen!) Singletrail bergab gab es folgenden Dialog mit einer netten Kollegin:

Sie: Geh weg da!

Ich: Wohin soll ich hier bitte ausweichen?

Sie: Keine Ahnung – dann fahr halt schneller!

Ich: Geht aber nicht.

Netterweise sagte dann ein Athlet dazu: kein Problem, mach einfach dein Ding!

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Bei Kilometer 21 von 36 war ich dann so im Flow, dass ich – für meine Verhältnisse – einen Trail hinunterraste und da hörte ich einen Schlag. Erster Gedanke war: ein Platten, aber Luft war noch drin. Nach ein paar Metern hörte ich dann meine Schaltung rattern. Zweiter Gedanke: Kette ist unten, das war aber auch nicht der Fall. Das Rattern wurde immer lauter und ich merkte, dass ich nicht mehr richtig schalten kann. Ab da überlegte ich permament, ob ich Halt machen sollte und das Rad checken (wusste aber, dass ich leider viel zu wenig Ahnung habe, um irgendetwas zu machen). Ich blieb also auf dem kleinen Blatt aus Sorge, dass ich sonst nicht mehr zurückschalten kann und teilweise ging wirklich gar nichts mehr. Die ganz kleinen Gänge konnte ich nicht mehr schalten und musste daher den letzten Anstieg hochgehen. Sehr schade, da dies ja eigentlich meine Stärke ist.

Am Ende kam dann sogar bergab etwas Übermut dazu: vor einer sandigen Trail-Abfahrt, vor welcher ein paar Athleten Schlange standen, um runter zu schieben,rief ich im Trail-Flow „Achtung ich komme und fahre runter“, um dann im Trail doch noch ganz schön Panik zu bekommen; aber nach der großspurigen Ansage konnte ich dann auch nicht mehr absteigen. Fazit: technisch bin ich in dem Rennen Trails gefahren, wie ich es mir im Vorfeld nie hätte vorstellen können.

Race Day – Crosslauf

Ich hatte mich richtig auf die 10 Kilometer lange Laufstrecke gefreut – endlich wieder gewohntes Terrain. Vorgenommen hatte ich mir die erste Runde vernünftig anzugehen und in der zweiten Runde dann nochmal aufs Gas zu drücken. Auf dem ersten Kilometer konnte ich richtig gut loslaufen, überholte hier bereits eine der Athletinnen, dich mich kurz davor noch auf dem Rad überholt hatten. Auch das Überqueren einer Mauer klappte gut, auch wenn es schon sehr ungewohnt war. Bei Kilometer 2 kam dann eine Wander- oder eher Kletterpassage. Die Männer, die ich vor mir sah, überholte ich noch schnell, damit ich als erste in die Passage laufen konnte. Ich merkte allerdings schnell, dass mir diese ungewohnte Belastung in einem Wettkampf doch mehr zusetzte als gedacht und nahm mir vor, dieses Stück in der zweiten Runde langsamer anzugehen, um danach schnell weiterlaufen zu können.

In der zweiten Runde angekommen, merkte ich jedoch schnell, dass meine Vorsätze nicht wirklich umsetzbar waren. Mein Beine waren schwer von der ungewohnten Belastung, so dass es dann leider doch nicht mehr schneller als in der ersten Runde ging. Als ich dann zum zweiten Mal die Kletterpassage erreichte und vernünftig langsam hochging, war ich richtig am Limit. Oben angekommen musste ich kurz innehalten und dann wieder langsam anlaufen. Insgesamt hat mir der Trail-Lauf aber – so ungewohnt er auch war – doch richtig Spaß gemacht. Über Bäche zu springen, sich von Baum zu Baum zu angeln, ist tatsächlich ein Tick aufregender als geradeaus auf der Ebene zu laufen. Am Ende erreichte ich auch noch die 55 Minuten Marke, die ich mir fürs Laufen vorgenommen hatte und kam nach 3:51 Stunden ins Ziel.

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Fazit: Mehr Mädels bitte!

Am Ende wurde ich in der X-Terra Wertung in meiner Altersklasse 3. von 3 Frauen und in der DM-Wertung 2. von 2 Frauen. Dafür aufs Podium zu gehen, war mir ehrlichgesagt ziemlich peinlich. Für die Standortbestimmung hilft dann doch eher die Gesamtwertung: 19. Frau von 43 in der X-Terra Wertung und 11. Frau von 27 in der DM-Wertung. Schön wäre es schon, wenn die Konkurrenz noch etwas dichter wäre und so die AK-Wertungen auch tatsächlich etwas wert sind. Aber mit dem Ergebnis in der Gesamtwertung bin ich erstmal zufrieden nach Hause gefahren und plane jetzt schon die nächsten Mountainbike-Abenteuer für den Herbst.

 

 

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