XTERRA Abenteuer, die zweite, in Gerardmer

Meine XTERRA Premiere erlebte ich 2019 bei der O-See Challenge in Zittau. Damals schon war ich hin und hergerissen zwischen der Begeisterung für die extra Herausforderung auf dem Mountainbike und dem Respekt, den ich davor hatte. Als dieses Jahr mein Freund nach der Verlegung des Ironman Klagenfurt vorschlug, dass wir nun ja Zeit für XTERRA Frankreich hätten, war ich zunächst ähnlich zwiegespalten, lies mich aber wieder von seiner Begeisterung anstecken. Nachdem wir gemeldet hatten, schaute ich einige Videos von vergangenen Wettkampf mit stürzenden Athleten an, was das Kribbeln und die Nervosität durchaus verstärkte. Da ich im Vorfeld nicht ganz sicher war, was auf mich zukommt, möchte ich euch hier einen kleinen Erfahrungsbericht geben, falls ihr auch überlegt, ob ihr das XTERRA Frankreich Abenteuer wagen möchtet. Schon mal vorab: ich bin relativ gut durchgekommen, die größte Herausforderung war das Wetter. Konditionell ist XTERRA Frankreich sicher noch einen Tick anspruchsvoller als Zittau. Technisch fand ich die Rad-Strecke fast etwas einfacher, aber fangen wir von vorne an.

Wettkampf-Vorbereitung

Wir haben den Wettkampf direkt mit unserem Sommerurlaub verbunden und haben im Vorfeld bereits ein paar schöne Tage mit durchwachsenem Wetter am Lac de Longemer verbracht. Der Campingplatz „Les Jonquilles“ ist ca. 2 Kilometer vom Start entfernt und etwas ruhiger als der Campingplatz direkt am Schwimmstart. Wir haben uns dort, direkt am Wasser, sehr wohl gefühlt. Die MTB Strecke sind wir in den Tagen davor ein paar Mal abgefahren, das kann ich wirklich nur empfehlen. Man bekommt ein Gefühl dafür, was einen konditionell erwartet und man fährt im Wettkampf vermutlich etwas moderater los. Da es die Woche vorher immer wieder geregnet hat, sind wir die Strecke bereits bei nassen Bedingungen abgefahren. Durch den Sandsteinboden, der zumindest teilweise auf der Strecke vertreten ist, war sie auch bei Nässe (zumindest im Training) gut fahrbar.

Der Lac de Longemer in den Vogesen – ein schönes Stück Erde

Das Schwimmen

Ich hatte wirklich sehr gehofft, dass ich „dank“ Corona in naher Zukunft keinen Massenstart erleben müsste. Doch im Wettkampfdossier stand tatsächlich „une vague“. Und dieser Massenstart hatte es in sich, denn direkt nach dem Start musste an einer Boje nah am Ufer vorbeigeschwommen werden, sprich die rund 600 Starter:innen schwommen alle in Trichterform in die gleiche Richtung. Mein Freund und ich entschieden uns, der Waschmaschine bestmöglich aus dem Weg zu gehen und sind ganz hinten gestartet. Zudem bin ich alle Bojen mit größtmöglichem Abstand umschwommen, weshalb ich wohl so wenig Körperkontakt wie fast noch nie in einem Wettkampf hatte. Nichtsdestotrotz war der Adrenalinpegel am Anfang so hoch, dass ich die ersten 500 Meter unfähig war, aus dem Grundlagenbereich rauszukommen. Aber da wir ja ganz hinten gestartet sind, konnte ich auch damit permanent überholen. Am Ende war es noch eine passable Schwimmzeit, auch wenn ich mich auf der gesamten Schwimmstrecke im 18 Grad kalten See nach dem Schwimmausstieg gesehnt habe.

Das Radfahren

Nach der Adrenalinblockade beim Schwimmen war ich erst mal froh auf meinem Rad zu sitzen. Das Wetter sah zu dem Zeitpunkt auch noch gut aus. Und so ging es in die erste Steigung auf der 40 Kilometer Radstrecke mit insgesamt 1.200 Höhenmeter, die aus zwei Runden bestand. Wie erwartet, staute es sich direkt im ersten Trail vor mir, was schon zum ersten Ausklicken führte. Die Radstrecke ging dann erst mal 30 Minuten non stop bergauf, zumeist auf steilen und steinigen Trails, die bis auf ein bis zwei Stellen für mich fahrbar waren. Oben angekommen, setzte der Regen ein, der sich innerhalb der nächsten Stunde zu einem Starkregen entwickelte, der die komplette Radstrecke nach und nach zu einer einzigen Rutschpartie machte. Das Besondere an der Radstrecke ist, dass es auch nach der ersten langen Steigung permanent auf und ab geht, sprich es gibt keine Gelegenheit sich mal kurz zu erholen. Entweder man ist konditionell gefordert oder man muss sich auf die Abfahrten konzentrieren. Dies gilt bei Trockenheit und natürlich bei Nässe umsomehr. Am schwierigsten fand ich die Passagen, die oben auf dem Höhenzug über Wurzeln führten. Hier war ich im Training bereits ausgerutscht und im Wettkampf bin ich an der gleichen Stelle in der ersten Runde gestürzt, weshalb ich mir für die zweite Runde direkt vornahm, das nächste Mal ein paar Meter zu gehen. Gegen Ende der Radrunde geht es dann bergab, sowohl über Bäche, steinige Abfahrten und steile Trails. Aber auch hier gilt: mit etwas Mut ist alles gut fahrbar. Es gibt keine stark verblockten Stellen und keine richtig schweren Spitzkehren. Am Ende jeder Radrunde „durften“ wir dann durch den extra für den Wettkampf angelegten Bike Park fahren. Den hatte ich natürlich auch schon im Vorfeld getestet; durch den Regen wurde er allerdings etwas schwieriger zu fahren. Aber wie sich nachher alle einig waren „Der Bike Park war wirklich das kleinste Problem“.

Die zweite Runde war durch den Regen einfach nur noch zum Kampf geworden. Auf den Trails berghoch schoss das Wasser entgegen, auf der Höhe warteten immer wieder tiefe Wasser- und Matschlöcher auf uns. Beim Ausklicken stand ich bis zu den Knien im Matsch. Dazu kam die Kälte. Ich hatte nur den Wettkampfanzug an und kam wirklich an meine Kältegrenze. Das war vermutlich auch der Grund warum 135 von den 638 Starter:innen den Wettkampf nicht beendet haben. Es ging für mich auf der zweiten Runde einfach nur noch ums Durchkommen; über die Geschwindigkeit oder irgendwelche Platzierungen machte ich mir keine Gedanken mehr. Ich wusste zwar, dass ich insgesamt rund 20. Frau war, das haben die Zuschauer immer wieder zugerufen. Insgesamt habe ich aber nicht viele Frauen gesehen. Am Anfang wurde ich von einer Frau überholt, in der Mitte nochmal von zwei weiteren. Sonst waren ausschließlich männliche Athleten um mich herum.

Der abschließende Trail Run

Nachdem ich es gemeistert hatte, die Radschuhe auszuziehen, was durch den Matsch und die kalten Hände gar nicht so einfach war, konnte ich relativ gut loslaufen. Mittlerweile hatte der Regen aufgehört und es kam tatsächlich die Sonne heraus. Auch die Laufstrecke über 10 Kilometer und 320 Höhenmeter ist außergewöhnlich. Es geht direkt in einen Berg hinein, zunächst Asphalt, dann Wanderweg, ca. 1 Kilometer bergan. Oben angekommen kurz im Trail runter, auf Asphalt hoch und schon waren wir wieder im Trail mit kniehohem Matsch. Anfangs versuchte ich noch die tiefsten Matschstellen zu umlaufen, irgendwann war aber einfach alles egal.

Gegen Ende der Runde, die es ebenfalls zwei Mal zu laufen galt, ging es dann noch eine steilen Wanderweg bergab mit Wurzeln und Steinen und viel Potential auszurutschen. Während die erste Runde noch gut lief, merkte ich in der zweiten Runde berghoch, dass die Kräfte so langsam schwanden. Bei einer Kletterpassage hatte ich mal das Gefühl, dass ich einfach nicht mehr kann. Das ging aber wohl den meisten so und ich konnte trotz allem auf der Laufstrecke berghoch eigentlich permanent überholen und so auch noch zwei Mädels wieder einholen. Am Ende war es für mich der 19. Platz der Frauen (inklusive der 9 Profi Frauen) und der zweite Platz in meiner Altersklasse, der mit einem Ticket für Maui belohnt wurde. Rückblickend war ich selten so stolz auf ein Podium wie auf dieses.

Happy End und Ticket nach Maui (Bild Susanne Richter)

Einzelergebnisse:

  • Schwimmen: 26:21 (Platz 139 gesamt)
  • MTB: 3:17:57 (Platz 332 gesamt)
  • Laufen: 1:03:35 (Platz 170 gesamt)
  • Gesamtzeit: 4:52:17 (19. Platz Frauen, 265 gesamt, 2. Platz AK)

Material:

  • Rad: Specialized Hardtail Fate
  • Laufräder: Schwalbe Racing Ray & Ralph
  • Laufschuh: Scott Kinabalu RC 2.0
  • Ernährung: Pampe von Caro Rauscher

Leidenschaft, Ausdauer, Vielseitigkeit…

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